Mittwoch, 31. August 2011

Hintergrund

 
Die Industrie-Stadt Monterrey liegt mit ihren ca. 4 Millionen Einwohnern im trockenen Norden des Landes, im mexikanischen Bundesstaat Nuevo León. Die Vegetationsdichte ist im Ballungsraum Monterreys sehr niedrig während die Feinstaubbelastung wegen der hiesigen Industrie und der hohen Anzahl von Kraftwagen besonders hoch ist.

La Pastora-Park ist eine der wenigen grünen Flächen in Monterrey. Er ist ein kleines Naturgebiet,130 Hektar, mitten in der Stadt, in dem verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, davon einige als gefährdet oder bedroht geltend, heimisch sind.* Außerdem fließt durch La Pastora-Park der einzige Wasserstrom der Stadt, der über das ganze Jahr Wasser hat. Dieses Wasser fließt dann weiter in den El Cuchillo Staudamm, woher ein hoher Anteil von Monterreys Trinkwasser stammt. Heutzutage befinden sich der staatliche Zoo und ein privater Vergnügungspark im La Pastora, sodass die Fläche des Parks, auf der die Natur gedeihen kann, schon eingeschränkt ist. Trotzdem ist La Pastora noch eine „grüne Lunge“ für die Beton-und-Stahl-Stadt Monterrey. Wie wenig sich Monterreys Stadtplaner in der Vergangenheit für grüne Flächen interessiert haben, lässt sich einfach mit einem Blick über Google Maps zeigen. Gesetzlich betrachtet ist La Pastora Eigentum vom Bundesstaat Nuevo León.

Nun wird die Firma Desarrollo Deportivo y Comercial SA de CV, ein Tochterunternehmen von FEMSA, Nutznießer für 60 Jahre von ca. 25 Hektar des Parks, wo sie ein neues Fußballstadion für 55.000 Zuschauer und dazugehörigen Parkplatz für 5.000 Autos zu bauen plant. Den Tod für den Park bedeuten diese Pläne.

FEMSA ist eine der wichtigsten und angesehensten Firmen in Mexiko und insbesondere in Monterrey, wo sie ihren Hauptsitz hat. Unter anderem ist FEMSA für die Brauerei Cuauhtémoc Moctezuma, die neben Grupo Modelo den mexikanischen Biermarkt als faktisches Duopol dominiert, für den Vertrieb von Coca-Cola in Mexiko (ausschließlich Monterrey) und für OXXO, Minimarkt-Kette, derer Filialen in jeder mexikanischen Stadt zu finden sind, bekannt. Im Jahre 2010 hat das niederländische Unternehmen Heineken die Biersparte von FEMSA abgekauft, im Gegenzug hat FEMSA einen Anteil von 20 Prozent der Aktien von Heineken Holding erworben.

In einem Land wie Mexiko, mit schwachen und oft korrupten staatlichen Institutionen, kann man sich vorstellen welche Macht von solchen Wirtschaftsriesen ausgeübt werden kann.

Sowohl der Bundesstaat Nuevo León, als auch das SEMARNAT, das Mexikanische Ministerium für Umwelt und Bodenschätze, haben bereits ihre Genehmigung für den Bau des Stadions erteilt. Trotzdem kämpft eine Gruppe von Bürgern dafür, dass der Park, und damit eine der wenigen natürlichen Grünflächen der Stadt, erhalten bleibt. Aus unserer Sicht wären schon 25 Hektar weniger Vegetation ein Riesenverlust für die ganze Stadt und die gefährdeten Tierarten, die im Park leben. Außerdem würde ein Stadion auch die Natur außerhalb der vorgesehenen 25 Hektar beeinträchtigen. Noch dazu, da das Stadion neben einem Wasserstrom liegen würde, sind Überschwemmungen in den benachbarten Gegenden, vor allem im Hurrikan-Saison, sehr wahrscheinlich.

Öffentlicher Raum ist in Monterrey ein seltenes Gut. Mit dem Stadion im La Pastora würden sich die Bürger von einer der letzten großen öffentlichen Flächen verabschieden. Die Stadt Monterrey wird derzeit von einer nie vorher gesehenen Kriminalitätswelle heimgesucht. Wir sind überzeugt, dass die Kriminalität auch vom Verlust an öffentlichem Raum verursacht wird. Gewalt wird nicht nur gegen die Menschen, sondern auch gegen die Natur ausgeübt, und sie geht nicht nur von Drogenkartellen aus. Wir wollen diese Gewalt gegen Bürger und Natur stoppen.
*Gefährdete Tierarten im La Pastora (nach mexikanischer Norm):
Accipiter cooperii
Buteo albonotatus
Falco peregrinus
Falco mexicanus
Aratinga holochlora
Amazona viridigenalis
Amazona finschi
Amazona oratrix